Mein Diamant in mir

dark background with eluminated mountain shaped doors in the center

Zusammenfassung aus einem eigenen Prozesserlebnis in meiner Rolle als Klient, begleitet von meiner Kollegin Maria Merk.

Etwas in meiner Herzgegend zwickt, fühlt sich eingeklemmt. Auslöser ist eine brandaktuelle Situation, von der ich über mich selbst unzufrieden bin, wie es mir darin erging, darüber, welche innere Haltung ich selbst angenommen hatte, oder ich angenommen wurde, es scheint einfach zu passieren. Bin ich das? Wie ich sein und mich erleben möchte spüre ich sehr klar. Weit, offen, herzlich, neugierig, einladend. Diese Weite, diese Freiheit kann ich spüren – sehr deutlich sogar. Ja, jetzt grade bin ichs. Es ist super schön. Ich genieße es. So möchte ich mich erleben, und von hier aus agieren.

Aus diesem Zustand, dem innerlichen Freiraum, wende ich mich nochmal der Situation zu.

Was passiert da in mir? Zunächst einmal kann ich bemerken, dass meine Atmung flacher und irgendwie stockender wird. Irgendwas ist da abgeschnitten, ich komm noch nicht so ganz ran. Ja, ich fühle mich in der Enge. Da ist es angespannt, unangenehm. Da ist etwas im Raum, als müsste ich für jemand etwas erfüllen und dabei verliere ich die Aufmerksamkeit für mich selbst. Zack – wie ein Ballon der sich im Raum aufbläst und ich in der Ecke gedrängt stehe. Ich erkenne den Zusammenhang aus Situationen in meiner Kindheit sehr klar und empfinde Mitgefühl für wie es mir damit erging, komplett vorwurfsfrei in jeglicher Richtung. Was ich bemerke ist, dass es für mich nicht stimmig ist, mit dem Ballon zu interagieren – zum Beispiel mir mit einer Nadel wieder Platz zu verschaffen – denn es ist ja nicht meiner. Für mich ist es dagegen stimmig, einfach die Wände umzustoßen und in meiner Richtung in die Freiheit zu gehen. Damit bin ich nämlich erstmal aus der Situation raus und das fühlt sich gut an. Doch irgendwie, sticht es da in der Herzgegend. Ich habe die Situation scheinbar in meiner Brust mitgenommen und auf eine Weise reproduziert: etwas ist dort eingeklemmt. Etwas verdichtet sich in meinem Herz. Es ist, wie ein Diamant! Ich finde einen Diamanten in mir. Ich schenke ihm zunächst einfach mal meine Aufmerksamkeit. Schon bald stelle mir vor, wie schön es ist, ihn nach außen zu zeigen, ihn am Handgelenk für mich und andere sichtbar zu tragen. Die Vorstellung ist schön. Gleichzeitig – es sticht immer noch in der Herzgegend. Mein Diamant ist noch drinnen. Möchte er denn heraus?

Was möchte mein Erleben?

Ich frag ihn jetzt was er denn eigentlich möchte. Sehr deutlich genießt er meine Aufmerksamkeit. Je mehr mein Diamant mich auf etwas hinweisen ja fast schon muss, desto mehr macht er sich bemerkbar. Etwas ist mir heilig. Er möchte mir zeigen, was für mich gerade das Wesentliche ist. Er sagt, worauf kommt es nun wirklich an, Martin? In mir breitet sich ein Gefühl von Weite und Freiheit aus. Es ist bereits sehr schön und wir könnten es dabei belassen. Meine aufmerksame Zuhörerin bemerkt, dass tatsächlich irgendwas noch nicht ganz abgeschlossen ist. Ja, es braucht auch Zeit. Ich bekomme die Einladung, nochmal dabei zu verweilen. Von ganz natürlich wandere ich mit meinem nun wie erleuchtenden Diamant in so eine Situation von früher. Erstaunlicherweise finde ich nun Platz, auch mit dem Ballon, der sich beginnt zu verkleinern, ganz ohne zutun. Wir beide, der Ballon und ich, setzen uns auf Augenhöhe zu Tisch. Mein Diamant erstrahlt aus vollem Licht. Es ist ganz friedlich.

Ich schlage die Brücke von früher zur aktuellen Situation

Am alten Ort ist mein Diamant wie ein Erinnerungslicht, das ich für mich setze. Ich verankere meinen Diamanten dort am Tisch, der für mich hell aufleuchtet, sobald ich mich ihm nähere, zugleich für andere unsichtbar. Er spürt mich und erkennt mich, sein zugehöriges Wesen. Diesen Ort von früher kann ich jetzt gut loslassen und wende mich dem Weckruf der aktuellen Situation zu.

Am neuen Ort wirkt mein Diamant für mich als innerliche Wiederkalibrierung. Ich platziere ihn innerlich in der Mitte meines Zimmers. Auch hier leuchtet er umso stärker, je näher ich da bin. Er erkennt mich. Jetzt gerade erkenne ich erkenne mich. Ich kann mich zu mir setzen, zu meinem Wesentlichen.

Ich fühle Weite, Leichtigkeit und Freiheit – so zu sein wie ich wirklich möchte.

Je näher ich an mir selbst, dem was mich ausmacht, und dem, der ich sein möchte, dran bin, desto mehr erstrahle ich.

So abstrakt es klingen mag, am nächsten Morgen war ich für mich mit der auslösenden Situation innerlich komplett entspannt und konnte die Thematik mit meiner mir wichtigen Weite, Neugier und Herzlichkeit ansprechen. Ich fand für mich sehr leicht kreative Lösungen, die alles im für mich zuvor anstrengenden Gespräch Gesagte mit einbezogen und mir gleichzeitig erfüllten, was mir wichtig war. Das Wiederaufgreifen des Themas ergab sich ganz organisch und mein Lösungsvorschlag kam an.

Teilweise nun bewusst, teilweise weil es sich einfach intuitiv so richtig anfühlte, habe ich meine Zimmermitte regelmäßig mit einer Kerze erstrahlen lassen, die mich, einfach wenn mir danach war, begleitet und genährt hat.

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